Plattform   Was macht die Plattform Migration?   Blick_Richtung  KÄRNTEN WÄHLT! Gedanken eines Migranten.

"Wählen zu können" bedeutet die Freiheit zu haben, sich aus 2 oder mehreren Dingen/Personen eine(s) aussuchen zu können schreibt Nikolaus Bott.

Das ist ein sehr angenehmer Zustand, wenn man dabei auch noch seine Wünsche realisieren kann und nicht nur die Wahl zwischen Pest und Cholera hat. Manchmal fühlt man sich zu Aktionen gezwungen. Man hat dann keine Wahl. Das ist meistens unangenehm. Insofern gehört für mich das Wählen zu den Grundbedürfnissen des Menschen. Kärnten wählt am 3. März 2013. Ich persönlich habe da keine Wahl!

Als Ausländer darf ich dazu meine Stimme nicht abgeben. Das finde ich sehr schade, weil die Landespolitik doch sehr weitreichenden Einfluss in die kommunalen Entscheidungen hat, da u.a. auf der Landes-Ebene auch die Verteilung von Geldern/Steuereinnahmen bestimmt wird. Und Steuern zahle ich ja auch, seit ich hier bin. Zusätzlich beeinflusst die Landespolitik in großem Maße die Eckpunkte der Entwicklung und die Stimmung im Lande, was letztlich wieder mein Wohlbefinden tangiert. Natürlich kann man einwenden, dass ich ja nur die österreichische Staatsbürgerschaft per Antrag annehmen müsste, um wählen zu können. Doch damit würde ich automatisch meine Staatsbürgerschaft, die ich seit Geburt habe, verlieren, was ich nicht mag, weil sie eben auch ein Teil meiner Identität ist. Außerdem wäre ich bei einer späteren Rückkehr in mein Geburtsland dann dort Ausländer.

Mein Lebensmittelpunkt ist die Stadt Villach. Ich liebe sie und die Gegend, sonst wäre ich nicht da. Hier habe ich 19 Jahre lang gearbeitet, bin in Vereinen aktiv und bringe nun meine Tatkraft ehrenamtlich in mehreren Bereichen ein. Ich betrachte das seit ca. 10 Jahren bestehende kommunale, sowohl aktive als auch passive Wahlrecht für EU-Ausländer als einen großen Gewinn. Damit fühle ich mich auf Gemeindeebene voll integriert. Dass vielen Drittstaaten-AusländerInnen, die schon viele Jahre in der Stadt leben, ein solches Wahlrecht verwehrt wird, ist ein Manko.

Meine Vision ist ein aktives Wahlrecht auf allen Ebenen für alle BewohnerInnen, also Einheimische und solche mit ausländischer Staatsbürgerschaft. Dass es dabei wahrscheinlich gewisse Restriktionen geben wird, wie die Dauer des Aufenthalts, gute Kenntnisse in Deutsch und demokratischer Bildung, könnte ich verstehen. Wahlrecht bedeutet auch Wahlpflicht und damit die Verpflichtung, sich mit der politischen Situation des Gastlandes auseinander zu setzen, um nicht einem Rattenfänger auf den Leim zu gehen. Und Rattenfänger wie populistische Agitatoren gab und gibt es immer wieder, auch in Kärnten. Unsere Welt wird auch im Kleinen immer internationaler. Die aktuellen Migrations-strömungen sind meines Erachtens erst der Anfang. Mobilität wird der Normalfall werden. Begreifen wir dies als eine große Chance für uns alle oder denken wir weiter in kleinen Kreisen? Ist es wirklich sinnvoll, einen nicht unbeträchtlichen Teil der Gesellschaft von der politischen Willensbildung auf Dauer auszuschließen, nur weil dieser einen anderen Pass hat?

Kurze Info zur Person:Ich bin in Ravensburg in 1949 geboren, wo ich auch studiert habe.17 Jahre arbeitete ich in München bei Siemens als Entwicklungs- und Prozessingenieur, bevor ich 1992 nach Villach kam. Hier folgten weitere 19 Jahre in der Prozesstechnik der Chipherstellung.Seit meiner Pensionierung engagiere ich mich bei der Plattform Migration (war als Co-Moderator eines Arbeitskreises bei der Erstellung des Integrationsleitbildes dabei), beim Alpenverein und inzwischen auch bei PIVA.Ich bin glücklich verheiratet, unsere beiden Kinder leben bei Frankfurt bzw. in Berlin.