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Besonders relevante Themen/ Schwerpunkte rund um das Thema „Migration“ für die Bevölkerung Kärntens aufbereiten.

Beleuchtet werden sollen dabei die politisch gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, wie etwa das, was wir unter der „Festung Europa“ und der damit verbundenen Exklusion und Inklusion von Individuen und Gruppen verstehen, die sich im Kontext ihrer Wanderungen in unterschiedlichem Status der Zugehörigkeit befinden, durch die Staatsbürgerschaft etc. dazugehören oder nicht und die Folgen, wie Desintegration, Spannungen, Ängste, Feindlichkeit und Ohnmacht hervorrufen. Über die Begleitung des Integrationsleitbildes in Villach und die Beforschung anderer Leitbilder wurden die wesentlichen Themen und Schwerpunkte in der Region klar – sie können folgendermaßen gefasst werden: Arbeit, Wohnen, Bildung (frühkindliche Erziehung und Bildung, Elternbildung, Sprachenerwerb) Partizipation und die Sichtung von Best Practice Beispielen/Maßnahmen für ein positiv gestaltetes Zusammenleben. Sensibilität in der Bevölkerung für die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen im Kontext der „Migration“ schaffen – durch das Erkennen der Zusammenhänge und Wechselwirkungen von globalen Entwicklungen soll ein anderes Bewusstsein für das „Fremde“ im täglichen Leben Kärntens erreicht werden. Information über reale Gegebenheiten und Fakten – durch detailliertes Fachwissen über die Bereiche Migration, Integration und Zuwanderung soll Manipulation und Falschinformationen entgegengewirkt werden, wodurch Ängste in diesem Kontext verringert werden sollen. Formen des Zusammenlebens nachhaltig verbessern – durch Bewusstseinsbildung soll ein weltoffenes respektvolles empathisches Zusammenleben in Kärnten ermöglicht werden.   Relevante Themen – Grundsätzliche Annäherung Nachfolgend die aus unserer Sicht besonders relevanten Schwerpunkte, die im Rahmen der Veranstaltungsreihe thematisiert werden sollten: Europäischer  gesellschaftspolitischer Rahmen In Europa leugnet nach wie vor ein großer Teil der Regierungen, dass die Länder Europas zu Einwanderungsgesellschaften geworden sind und diesen Entwicklungen weitreichend im Rahmen von Konzepten und Maßnahmen Rechnung getragen werden muss. Abschottung auf nationaler Ebene, die zunehmend immer undurchlässigere Festung Europa, die europaweiten Asylgesetze, die immer weniger Asylwerbenden den dauernden Aufenthalt in den einzelnen Staaten in Europa gewährleisten, verschärfen auch das Zusammeneben von Einheimischen und Zugewanderten in zunehmendem Maß. Hierbei  stellen sich folgende Fragen: Wie sieht der gegenwärtige gesellschaftliche Diskurs aus, der europaweit hauptsächlich im Sog des Rechtspopulismus steht und gegebene Realitäten von Einwanderungsgesellschaften mit ihren Prägungen negiert (Sarrazindebatte, rechtspopulistische und Debatten der politischen Mitte in verschiedenen Ländern Europas…)? Welche politische Kultur ist dafür verantwortlich, dass ein großer Teil der Gesellschaft nach wie vor eine homogene Gesellschaft phantasiert, die nicht existiert und nie existiert hat? Welche Rahmenbedingungen benötigen wir, dass Menschen menschenwürdig und egalitär in ihren Lebensumwelten zusammen leben können und wollen? Wenn gegenwärtig Integrations- und Desintegrationsprozesse thematisiert werden, so sind diese keineswegs exklusiv auf Problemlagen,  die im Zusammenhang mit Einwanderung stehen, zu reduzieren.  Die einschlägigen Krisendiagnosen (Globalisierung und daraus resultierende Phänomene wie sich damit verfestigende soziale Ungleichheiten, Einkommensarmut, Erweiterung der Arm-Reich Schere, Abbau von Normalarbeitsverhältnissen und Bildungsarmut, ungezähmter Kapitalismus und dessen Auswirkungen, wie sie sich gerade in den Bankenkrisen und deren Folgen auswirken) sind hier wesentlich in den Blick zu nehmen, da sie sich mit den migrationsbezogenen Thematisierungen von Integrationsproblemen überlagern. Hier ist ein radikales Umdenken in Europa notwendig, das Rahmenbedingungen schafft, damit Zusammenleben proaktiv, menschenwürdig und zukunftsweisend gestaltet werden kann. Kommunen und Regionen als konkrete Orte des Zusammenlebens Die internationale, europäische aber auch nationale Gesetzgebung beeinflusst wesentlich die Voraussetzungen für ein Zusammenleben von Gruppen und Individuen. Der konkrete Ort des Zusammenlebens  sind Regionen und Kommunen. Dort zeigen sich die weiten Spielräume des Miteinanders, das sowohl von hohen Spannungen, Auseinandersetzungen und Konflikten, aber auch aufgrund nachhaltiger Konzepte und Maßnahmen in ein gewaltfreies und möglichst spannungsärmeres Zusammenleben münden kann. Hier werden auch im besonderen Maß die Spannungen von hochqualifizierten ZuwanderInnen und denen, die ohne Ausbildung ankommen,  evident. Hier sind große Herausforderungen gesellschaftlich zu leisten, Rahmenbedingungen zu schaffen, um diesen Spagat auszugleichen. Es gilt die Frage zu stellen, welche Möglichkeiten bestehen, kleinere Gemeinden und Städte gemäß den zumeist nach wie vor exkludierenden und vielfach diskriminierenden Bedingungen und Gegebenheiten neu zu gestalten. Aktuelle Studien zeigen, dass innovative Integrationskonzepte das Zusammenleben in Kommunen wesentlich verbessern – hier sind etwa in Deutschland Osnabrück und Frankfurt/Main zu nennen oder Basel in der Schweiz; über eine nachhaltige Schwerpunktsetzung  kann eine hohe Sensibilisierung  für einschlägige Problemstellungen und relevante Zukunftsfragen erreicht werden. Alle unter der Ägide kommunaler Verwaltungen stehenden Bereiche, wie etwa frühkindliche Erziehung, Bildung, Wohnungsfragen, Gesundheit und Kultur können, wenn sie positiv und proaktiv gestaltet werden, wesentlich zu einem spannungsfreieren Zusammenleben beitragen, auch wenn gesetzliche Rahmenbedingungen und arbeitspolitische Fragen in Kommunen nicht entschieden werden; so sind Kommunen in der Lage, vor allem in den Bereichen Bildung, Partizipation und Wohnen einen unterstützenden Rahmen zur Verfügung zu stellen. Gesellschaftliche Teilhabe und Bildung Geht es nun um die Einbindung und gesellschaftliche Teilhabe von allen Menschen in der Gesellschaft,  ist es unerlässlich, nicht nur die Bevölkerung selbst in den Blick zu nehmen, sondern sich auch die strukturellen und sozioökonomischen Rahmenbedingungen anzuschauen. Zugewanderte verfügen zu einem Großteil nicht über die gleichen Voraussetzungen der sozialen und gesellschaftlichen Partizipation, sondern werden nach wie vor zumeist als die „ethnisch Anderen“ mit erhöhtem Integrationsbedarf gesellschaftlich festgelegt (Thomas Geisen). Integrationsproblematiken wie etwa Arbeitslosigkeit, Bildungsbenachteiligung oder Schwierigkeiten des Spracherwerbs sind kein direkter Effekt von Migration, sondern wesentlich bedingt durch die Lebensbedingungen, die den MigrantInnen, vor allem auch Kindern und Jugendlichen; durch die Aufnahmegesellschaft zugemutet werden. Gesellschaftliche Teilhabe hat wesentlich mit Bildungschancen zu tun – fremde Sprache und Kultur werden nach wie vor als Problem gesehen. Sprache und Kultur sind nach wie vor als „Distinktionsmerkmale“ wesentlich, um die Dichotomie von, Eigenem’ und, Fremden’ aufrecht zu erhalten. Dies hat wesentliche Folgen für die Möglichkeiten bzw. Grenzen von Bildung und Partizipation bei Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund (I. Gogolin/M. Krüger-Potratz). Städte und Gemeinden können gesetzliche Rahmenbedingungen nicht negieren; sie können jedoch in längeren Reflexionsprozessen diese Desintegrationsproblematiken in den Blickpunkt rücken und über kommunale Konzepte Inklusion fördern. Integrationskonzepte Dazu ist es notwendig, immer beide Ebenen in den Blick zu nehmen. Einerseits geht es um das Sichtbarmachen der politischen Rahmenbedingungen auf staatlicher und europäischer Ebene, die den Ausgangspunkt für nicht funktionierende Integration schaffen – auch auf diese Rahmenbedingungen können Städte konzertiert in Staaten Einfluss nehmen. Andererseits wird die kommunale und regionale Ebene wesentlich, die der Ort ist, wo friedensfördernde inkludierende Integrationsprozesse unterstützt werden können. Dies kann durch die Initiierung langfristiger und nachhaltiger Integrationskonzepte mit der Schaffung kontinuierlichen Kommunikations-, Dialog- und Vernetzungsstrukturen, der Installierung von Begegnungsräumen bzw. durch ergänzende Bildungsangebote in Kommunen erfolgen, sowie durch innovative Projekte und Maßnahmen im Kontext von partizipativen Ansätzen. Integrationsleitbildprozesse, -konzepte und –maßnahmen in Städten bzw.deren Evaluierung liefern Erkenntnisse, in welcher Form Kommunen gesellschaftliche Teilhabe fördern können. Migrationsgespräche als Sensibilisierung der Bevölkerung für Fragen im Kontext von Zuwanderung Um diese erwähnten Rahmenbedingungen sichtbar zu machen, ist es notwendig, die Bevölkerung für diese Rahmenbedingungen zu sensibilisieren; dies kann auf verschiedensten Ebenen eventuell auch verstärkend für die Umsetzung erfolgen: Integrationskonzepte, Integrationsleitbilder, AusländerInnenbeiräte, speziell aufgesetzte Maßnahmen und Projekte. Über diese engagierte Gestaltungsebene der Kärntner Migrationsgespräche hinaus könnten bei all diesen Aspekten die Ängste der Menschen ernst genommen werden und weitere Gesprächsmöglichkeiten angeboten werden. Auch hierfür sollen Lösungen, best practice Beispiele und Modelle angeboten werden. (bg)

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